
Beispieltexte Trauer
Hierunter findest Du eine Auswahl meiner Texte zum Thema Tod, Trauer, Sterben, Nachruf und Verlust

Friedhofsbesuch
Hey Papa, da bin ich mal wieder.
Auf dem Weg zu dir.
Zu deinem Kreuz, Reihe 4, Grab 23.
Und die Sonne scheint, vielen Dank dafür.
Ich habe mir etwas zum Schreiben mitgebracht, weil ich dir etwas da lassen will. Neben deinem Kreuz steht Vater, Bruder und Ehemann.
Vielleicht war da einfach nicht genug Platz für noch mehr.
Aber für mich warst du mehr.
Mehr als nur eins dieser drei Worte.
Und deshalb habe ich kurz vor deinem Grab einen kleinen Zettel geschrieben.
Das ist, was ich dir da lassen will. Das ist, was ich an dein Kreuz hängen werde. Und ich hoffe, du hast nichts dagegen, Papa.
Der Wind wird es bald ohnehin forttragen. So wie er dich fortgetragen hat, Viel zu früh. Was ich dir aufgeschrieben habe ist, was du für mich warst.
Was du mir bedeutet hast und immer bedeuten wirst.
Ich habe bester Freund geschrieben.
Und Ratgeber.
Und Beschützer.
Und letzte Instanz.
Und das Wichtigste. Nämlich das, was du am meisten für mich warst.
Ich habe Papa geschrieben.
Der Tod ist einfach scheiße. Aber ich hoffe, dass der Wind meine Worte zu dir tragen wird. Damit du weißt, dass du mehr als ein Vater für mich warst. Und immer bleiben wirst.
Mach's gut, Papa.
Bis zum nächsten Mal.
Und viele Grüße in den Himmel.

Weiße Weihnachten
Hey Papa.
Ich hab gedacht, ich melde mich mal wieder vor Weihnachten. Ist wahrscheinlich einiges los im Himmel um diese Jahreszeit.
Hier unten ist alles ok. Weihnachten, halt.
Die Kids freuen sich riesig drauf. Und wir wollen es richtig schön machen.
So wie früher, weißt du.
So wie mit dir.
Die Kinder haben mich gefragt, wo du bist. Und ich habe ihnen gesagt, dass du im Himmel bist.
Beim Christkind.
Und dort, wo der Schnee herkommt.
Und jetzt habe ich die Wunschzettel hier. Auf beiden steht, dass sie sich Schnee von Opa an Weihnachten wünschen.
Naja, und das wollte ich dich fragen heute. Vielleicht ist das auch ein bisschen mein Wunsch.
Damit es wird wie früher. Wir bauen dann auch einen Schneemann. Und ziehen dem deinen alten Schal an, wenn das ok ist.
Ich weiß nicht, ob das in deinem Bereich im Himmel fällt.
Aber vielleicht kannst du was machen.
Wäre echt toll. Das war's eigentlich schon.
Und ich schaue an Heiligabend kurz in die Sterne und winke dir. Mit oder ohne Schnee, bis dahin.
Hab dich lieb.
Und frohe Weihnachten, Papa.

Sternenflüsterer
Hey du, da unten auf der Erde.
Viele Grüße aus dem Himmel.
Ich freue mich über jedes Mal, wenn du rauf in die Sterne schaust und mit mir redest. Du machst das oft.
Und deswegen haben dir die Engel einen Spitznamen gegeben.
Sie nennen dich Sternenflüsterer hier oben.
Und ich finde das einen schönen Namen. Aber oft ist es ein trauriges Flüstern. Und das kann ich verstehen. Vermissen tut weh.Ganz besonders auf der Erde.
Und es ist okay, dass nicht alles okay ist.
Aber vergiss nicht, dass nicht mehr traurig zu sein nicht heißt, dass du mich vergessen wirst. Loslassen heißt nicht verschwinden.
Es bedeutet Frieden.
Sei traurig, und weine. Aber versprich mir, dass du genauso oft nicht weinst, wenn du an mich denkst. Nicht jedes Mal vergnügt oder fröhlich.
Aber auch nicht jedes Mal unter Tränen.
Sprich mit mir, ich werde zuhören.
Frag mich, und ich werde antworten.
Schau in dich hinein, denn dort bin ich, die ganze Zeit. Oder schau hinauf in die Sterne, denn dort warte ich auf dich.
Auf deine Fragen, auf deine Sorgen, auf deine Geschichten.
Und auf dein Flüstern.
Ich liebe dich, mein Sternenflüsterer. Und alles Liebe aus dem Himmel.

Wie der Himmel aussieht
Hallo aus dem Himmel, mein Sternenflüsterer.Ich will dir etwas vom Himmel erzählen und vom Sterben.
Ich sollte das nicht, denn es ist ein Geheimnis. Aber vielleicht geht es dir dann besser. Vielleicht kann ich so deine Tränen trocknen. Und vielleicht beruhigt dich, was ich dir erzählen werde.
Weil es dem Tod den Schrecken nimmt.
Und vielleicht auch deine Traurigkeit.
Der Himmel ist genau so, wie du dir den Himmel vorstellst. Ich meine genau wie deine eigene Vorstellung davon.
Und wir nennen uns hier Schmetterlinge.
Weil genau das aus dir wird, wenn du stirbst. Dein Körper ist der Kokon einer Raupe, die weiterhin darin lebendig ist. Und wenn du stirbst, verlässt du diese Hülle.
Und das wunderschön.
Und niemand stirbt allein. Denn es erwarten dich die, die gegangen sind, und das sofort.
Und wenn ein Kind stirbt, dann wartet der Schutzengel, der es von Anfang an begleitet hat. Und den kleine Kinder kennen, dem sie vertrauen und mit dem sie sprechen, wenn sie noch klein sind.
Bevor ihnen irgendjemand sagt, sie sollen damit aufhöre. Weil gedacht wird, dass das Kind fantasiert.
Deine Seele ist frei und kann in den Himmel, wenn du bedingungslos geliebt wurdest. Und für diese Liebe danke ich dir, denn du hast meine Seele befreit.
Es gibt keine Krankheiten hier.
Blinde sehen und Stumme singen. Und wer nicht laufen konnte, tanzt im Himmel. Alles besteht aus Liebe hier und aus Licht.
Und das Licht ist weißer als weiß.
Schon wenn du stirbst, umarmt und ergreift dich die größte, unbeschreiblichste, bedingungsloseste Liebe, die du dir vorstellen kannst. Es gibt keine Worte dafür.
Sterben ist ein schöner Weg zu einem noch schöneren Ziel.
Ich freue mich auf dich und ich werde dich erwarten. Und ich würde es wahnsinnig gerne sehen, dass du dich auch darauf freust.
Und solange ein glückliches Leben lebst. Bis du als Schmetterling neu geboren wirst.
Ich liebe dich Sternenflüsterer.
Und viele Grüße aus dem Himmel.

Hi Mama, ich bin's - Grüße aus dem Himmel
Viele Grüße aus dem Himmel. Unsere Zeit zusammen war leider nur sehr kurz. Nicht mal ein Jahr alt wurde ich auf der Erde.
Aber ich bin im Himmel groß geworden. Und ich hab schwimmen gelernt. Und ich freue mich, dass du jeden Geburtstag an mich denkst.
Hier oben war viel zu tun über Weihnachten.
Und ich habe den Engeln mit allem geholfen und das wirklich gerne. Ich gehe hier auch zur Schule mit vielen anderen Kindern.
Und wir fahren im Schulbus. Und wir spielen dann Sternezählen auf der Fahrt.
Es gibt hier Spielplätze mit Schaukeln, die von alleine schaukeln.
Wenn du an mich denkst, schaue ich runter zu dir aus einem großen Fenster mit Bäumen davor. Ich mache gerne Seifenblasen hier. Die werden zu Wolken, wenn sie zur Erde sinken.
Und aus den ganz Großen regnet es.
Aber das tollste am Himmel ist, Mami, dass du hier fliegen kannst.Und ich liebe es, kurz durch die Wolken zu fliegen.
Bevor ich hin und wieder schaue, ob alles okay bei dir ist.Oder wenn du traurig bist.
Ich muss los, Mama, Seifenblasen machen.
Hab dich lieb.